Stuttgart 21/Personenzugänge

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Stuttgart 21 ist auch bezüglich der Fußgängerzugänge im Bahnhofsgebäude deutlich unterdimensioniert. Weder die Reisenden aus 49 Zügen noch die aus 32 Zügen pro Stunde würden in den Spitzenstunden auch nur die Minimalqualität des Bewegungskomforts vorfinden. Die zur Bemessung der Durchgänge und Treppenanlagen durchgeführten Personenstromanalysen wurden gegenüber den Zusagen für das Verkehrswachstum und den Komfort sowie den Vorgaben der Richtlinie um einen Faktor 3 bis 4 zu günstig simuliert. Die Bahn hat in der Darstellung der Personenstrom-Ergebnisse unvollständig und unrichtig informiert, insbesondere in den Darstellungen vor dem Stuttgarter Gemeinderat am 24.07.2012.

Zusammenfassung

Unzählige kritische und durchgefallene Engpässe für die Fußgänger im Tiefbahnhof Stuttgart 21 laut der Personenstromanalysen der Firma Durth Roos von 2009[1] und 2012[2]. Wiedergegeben wird hier der Korrekturbedarf an der Darstellung der Deutschen Bahn-AG. (Plangrundlage aus [3])

Stuttgart 21 ist nicht nur bezüglich der Zugleistung laut Planfeststellung auf 32 Züge pro Stunde ausgelegt worden, den Wert, auf den auch die 49 Züge des Stresstests nach Korrektur der Richtlinienverstöße schrumpfen. Insbesondere hatte die Deutsche Bahn AG der "Dimensionierung" der Fußgängeranlagen für die Reisenden ausdrücklich ein Betriebsprogramm mit 32 Zügen pro Stunde zugrunde gelegt.

Die hierzu durchgeführten Personenstromanalysen wurden in den Ansprüchen für die Bewegungsqualität der Fußgänger durch Absenkung der angestrebten Qualitätsstufe von C auf D und durch Verlängerung der Bahnsteigräumzeit von den durch die Richtlinie vorgegebenen 2,5 Minuten auf nicht zulässige 4 Minuten insgesamt rund doppelt so viele Reisende auf den Bahnsteigen akzeptiert, als dem Komfortziel und der Vorschrift entspricht. Darüber hinaus wurden auch die Belastungen sowohl in der absoluten Reisendenzahl, als auch am Bahnsteig durch die Nicht-Berücksichtigung von Doppelbelegungen und die höhere Kapazität von Regionalverkehrszügen, sowie die unrealistische Umleitung der S-Bahn-Umsteiger um einen Faktor 1,5 bis 2 zu niedrig angenommen.

Insgesamt wurden die Personenstromanalysen um einen Faktor 3-4 zu günstig simuliert. Und dennoch werden in dem extrem eng dimensionierten Bahnhof zahlreiche Engpässe für die Fußgänger sichtbar, die jedoch in den Darstellungen der Bahn ausgeblendet worden waren. Der Kapazitätsrückbau fällt somit bei den Fußgängeranlagen noch deutlicher aus als der deutliche Rückbau der Zugleistung auf nur noch 32 Züge pro Stunde. Auch die bisherigen Untersuchungen zur Entfluchtung im Katastrophenfall gehen ohne Berücksichtigung der Doppelbelegungen fälschlich von nur rund der halben zu evakuierenden Reisendenzahl pro Bahnsteig aus. Die Umsetzungswürdigkeit des Projekts sollte geprüft werden.

Sowohl die Vorgaben der Deutschen Bahn AG als auch ihre Aussagen zu den Personenstromanalysen der Durth Roos Consulting GmbH zu Stuttgart 21 (S21) erweisen sich als korrekturbedürftig. Nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik ist der neue Stuttgarter Hauptbahnhof definitiv nicht in der Lage, die Reisenden aus 49 Zügen auch nicht die Reisenden aus 32 Zügen pro Stunde in Minimalqualität zu verarbeiten. Sowohl das für S21 zugesagte Verkehrswachstum als auch das zugesagte Komfortniveau der Reisenden sind bei weitem nicht erreichbar. Vor dem Stuttgarter Gemeinderat und in der Öffentlichkeit hatte die DB AG mit unzutreffenden Aussagen argumentiert.

Zusammenfassende Dokumente

Zum Einstieg wird auf folgende zusammenfassende Dokumente zum Download verwiesen (Rechtsklick > Speichern unter):

27.02.2013 Stellungnahme (1,2 MB, 49 Seiten), Gutachterliche Stellungnahme von C. Engelhardt zu den Personenstromanalysen (Zusammenfassung auf den ersten 5 Seiten)
28.02.2013 Foliensatz (1,1 MB, 18 Seiten), Foliensatz der Pressekonferenz der Fraktion SÖS und LINKE im Stuttgarter Gemeinderat

Links zu weiteren Darstellungen

Die vollständige Dokumentation findet sich in der Stellungnahme vom 27.02.2013. Eine zusammenfassende Übersicht über die Ergebnisse wird auch hier gegeben:

  • Ergebnisse, Übersicht über die wichtigsten Ergebnisse.
    • Belastungen gesenkt. Unter Berücksichtigung der Doppelbelegungen sowie der höheren Kapazität der Regionalzüge, sowie bei realistischer Wegewahl der S-Bahn-Umsteiger ergäbe sich eine rund 1,5 bis 2-mal höhere Belastung.
    • Qualitätsansprüche gesenkt. Die angestrebte Qualitätsstufe wurde von C auf D gesenkt und die Bahnsteigräumzeit regelwidrig auf 4 Minuten erhöht, das erlaubt doppelt so viele Personen, wie ursprünglich angestrebt.
    • Entfluchtung geht nur von halber Personenzahl aus. Schwerer Mangel in den Entfluchtungsszenarien: Die Doppelbelegungen, die auch die doppelte Zahl von zu evakuierenden Reisenden bringen würden, wurden nicht berücksichtigt.
    • Glaubwürdigkeit. Rückschau auf die Fehler in der Planung und der Kommunikation der Personenstromergebnisse durch die Deutsche Bahn.
    • Unrichtige Darstellungen vor dem Stuttgarter Gemeinderat 24.07.2012. Falschaussagen und Auslassungen in der Rechtfertigung der Personenstromergebnisse durch die Deutsche Bahn.
    • Chronologie. Wesentliche Meilensteine der öffentlichen Diskussion, kleiner Pressespiegel.


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Einzelnachweise

  1. 09.2009, Durth Roos Consulting GmbH, "Stuttgart 21 – Hauptbahnhof, Personenstromanalyse (Endzustand)" (pdf cams21.de). Die Anlagen sind noch nicht öffentlich einsehbar.
  2. 08.02.2012, Durth Roos Consulting GmbH, „Stuttgart 21 – Hauptbahnhof, Personenstromanalyse (Endzustand); Detailbetrachtungen“
  3. 24.07.12, Sven Hantel, Regionalleiter Südwest, "24.07.2012 UTA Stuttgart 21", Foliensatz zur Präsentation im Stuttgarter Gemeinderat am 24.07.2012 (pdf).